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Atomreaktoren – BUND kritisiert “Kataströphchenschutz”

Anfang Juli 2012 wurde der offizielle Fukushima-Bericht vorgelegt. Darin heißt es: “Die Katastrophe von Fukushima war das Ergebnis von Kungeleien zwischen Regierung, Atomaufsicht und der Betreiberfirma Tepco. Die Situation hat sich danach auch deshalb weiter verschlimmert, weil das Krisensystem der Zentralregierung in Tokio und der betroffenen Behörden versagt habe. Die jeweiligen Verantwortlichkeiten und Aufgaben seien unklar gewesen. Auch hätten es die Aufsichtsbehörden jahrelang versäumt, geeignete Maßnahmen für solche Krisenfälle einzuführen, was zu dem Chaos bei der anschließenden Evakuierung der betroffenen Menschen beigetragen habe.“

Als sich vor zwei Jahren, am 24. Juli 2010, in Duisburg der schreckliche Unfall bei der Loveparade ereignete, zog man daraus entschiedene Konsequenzen. Wer heute in Freiburg oder anderswo eine Großveranstaltung plant, der merkt auf Grund verschärfter behördlicher Auflagen schnell, dass der Loveparade-Unfall zwischenzeitlich die Sicherheitsanforderungen massiv verändert hat – und das ist gut so.

Aber ganze 26 Jahre nach dem Atomunfall in Tschernobyl und weit über ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima liegt der Evakuierungsradius (nicht nur) für das AKW Fessenheim laut Katastrophenschutzplan immer noch bei 8 Kilometern. Die im Ernstfall großflächigen radioaktiven Verseuchungen und die Notwendigkeit weitreichender Evakuierungen, haben 26 Jahre lang nicht zu einer Anpassung des Menschenschutzes an die Realität großer Atomunfälle geführt.

Nach Ansicht von BUND, NABU und LNV am Oberrhein haben es die Politik und die Aufsichtsbehörden, aus Rücksicht auf die Atom- und Energiekonzerne, jahrzehntelang versäumt, geeignete Maßnahmen für den atomaren Katastrophenfall einzuführen. Sie fordern nun, dass die schon uralte Forderung der Umweltverbände umgesetzt und an einer Weiterentwicklung des bisherigen „Kataströphchenschutzes” gearbeitet wird.

Auf Anfrage der Verbände an die Regierungspräsidentin Schäfer (Freiburg) seien erste Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte 2012 zu erwarten, müssen dann aber noch mit den Ministerien auf Bundes- und Landesebene abgestimmt werden und das kann dauern.

Auf die Initiative kommt es an

Sicher ist, dass eine neue Regierungspräsidentin und die neue Landesregierung nicht in einem Jahr die politisch gewollten Versäumnisse von 57 Jahren CDU Regierung aufarbeiten kann. Doch der BUND erinnert daran, dass der Atomunfall in Fukushima mit ein Grund für den Regierungswechsel in NRW war. Die schnelle Abschaltung der AKW und ein an die Realität angepasster Katastrophenschutz, sollte zum „Kerngeschäft“ des Regierungspräsidiums und der neuen Landesregierung werden.

Die Übertragung der Erkenntnisse aus dem Loveparade-Unfall auf Großveranstaltungen ist nicht einfach. Die schnelle Evakuierung großer Teile des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald oder einer Stadt wie Freiburg und vor allem die dauerhafte Unterbringung der vielen betroffenen Menschen ist mehr als eine Herkulesaufgabe. Dennoch kann sich eine Atomkatastrophe wie in Fukushima schon morgen in Fessenheim, Beznau, Philippsburg oder Neckarwestheim ereignen.

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